Mein Name lautet Andreas Heisig und ich bin Zauberer.

Manch einem bin ich auch unter dem Namen „Adiras der Große“ oder „Andro“ bekannt. Doch Namen sind Schall und Rauch und damit ist es wie mit der Zauberkunst auch: es geht vor allem darum, wie es klingt. Oder, wie etwas aussieht, sich anfühlt. Es geht darum, wie wir die Dinge wahrnehmen und nicht so sehr darum, wie sie wirklich sind.

Der Mensch neigt dazu, sich seine eigenen Realitäten zu erschaffen. Ich würde dabei ergänzen: der Zauberkünstler verleiht diesen selbst geschaffene Realitäten ihren magischen Glanz in ganz besonderer Weise und demonstriert dadurch die eigentliche Macht die dahinter steht. Die Macht der Fantasie, der eigentlich nüchternen Realität, dem täglichen Einerlei, der Langeweile und Müdigkeit zu entfliehen.

Deswegen begann ich im Alter von 15 Jahren mit meinen Studien zur Zauberkunst.

Darauf kam ich natürlich nicht von allein. Ein fahrender Zauberkünstler, der auf dem örtlichen Jahrmarkt versuchte seine Zaubergeräte an den Mann und natürlich auch an die Frau zu bringen erregte meine jugendliche Aufmerksamkeit. Und ich wurde in der Tat sein bester Kunde. Nicht was den Verkauf anging, ich hatte ja kaum Taschengeld. Aber bei jeder seiner Präsentationen war ich zugegen. Und da ich auch bei mehrmaligem Ansehen und Bestaunen seiner Kunst nicht hinter die darin verborgenen Mysterien kam, beschloss ich, dass ich wohl selbst lernen müsse, wie das so augenscheinlich leichte Spiel mit Münzen und Karten gelingen möge.

Im Laufe der Jahre erwarb ich immer mehr Zauberbücher und Zaubergeräte. Sammelte Erfahrungen im Umgang mit Zuschauern – den Kleinen wie den Großen – und erfreue mich an den hellen Gesichtern, wenn ein Trick funktioniert. Doch ist es wirklich nur ein Trick?

Ein Trick wäre es, wenn ich meine Zuschauer hereinlegen würde. Wenn es mein Ziel wäre, jemanden an der Nase herum zu führen und mich auf seine Kosten zu amüsieren. Dann wäre es ein Trick. Ein kleines Spiel und nicht mehr.

Die Wahrheit ist, dass nicht der Trick entscheidet. Der Trick ist nur das Mittel um Aufmerksamkeit zu erregen und den Zuschauer darauf vorzubereiten, dass wir gemeinsam eine Reise antreten in eine selbst geschaffene Welt, die so unglaublich ist, dass wir mit offenem Mund dastehen und staunen. Staunen über Dinge, von denen wir genau wissen, dass sie nicht sein können doch für wenige Minuten sind sie Wirklichkeit. Wir hören. Wir sehen. Wir fühlen.

Und der Zauberer staunt über die Freude in den Augen der Kinder.