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Ich bin froh

Neulich sagte jemand zu mir, ich solle doch froh sein mit meinem Beruf und meiner Arbeitsstelle, denn woanders sei es ja noch viel schlimmer mit den Arbeitsverhältnissen, als dort, wo ich mich befände.

Stimmt.

Selbstverständlich lebe ich hier wie die Made im Speck, wenn ich meine Situation mit der von Pflegekräften in Afghanistan vergleiche. Ja, selbst ein Vergleich mit anderen Kliniken innerhalb Deutschlands geht zu meinen Gunsten aus.

Aber es geht noch weiter: auch mein Beruf hebt sich qualitativ massiv von anderen Arbeitsmöglichkeiten ab. So darf ich die Freude des Helfens erfahren und kann auf einen sicheren Arbeitsplatz bauen, denn konjunkturelle Probleme sind der Krankenpflege fern. Schließlich leben wir in einer Wohlstandsgesellschaft, in der wir immer älter werden und somit auch immer kränker und pflegebedürftiger.  Da fällt es mir leicht, meinen Kindern zu empfehlen doch auch in der Pflege tätig zu werden, schließlich muss ja der Nachwuchs gefördert werden, sonst bin ich ja am Ende selbst am Pflegenotstand schuld, den wir nur deswegen haben, weil die Jugendlichen einfach  nicht die Vorzüge des Pflegeberufes kennen und in ihrer Dummheit lieber BWL studieren, um dann Geschäftsführer z.B. einer Klinik zu werden. Obwohl es auch da sinnvoll ist, die Vorzüge der Krankenpflege zu kennen, denn was gibt es sonst noch Besseres, um Mitarbeiter zu binden?

Nicht vieles. Außer vielleicht eine bessere Bezahlung und Geld regiert ja bekanntlich die Welt und im Zweifelsfalle auch den Stellenplan, der auf Grund leerer Kassen in Bereichen dümpelt, die eine qualitativ hochwertige Pflege nicht eben ermöglichen, zu massiven Überstunden führen und zum allseits bekannten und gefürchteten “Einspringen im Frei”. Und die Kassen sind ja nun nicht deswegen leer, weil der Geschäftsführer ein schlechter Mensch wäre. Nein! Er selbst ist ja das Opfer, dem Kommunen und Krankenkassen nicht genügend Mittel zur Verfügung stellen und der somit Kraft seiner fachlichen Kompetenz ganz alleine die Gelder erwirtschaften muss, um die medizinische Spitzenmedizin, die wir alle leben wollen, zu ermöglichen. Da bin ich auch gerne bereit noch mehr Prioritäten vor den Prioritäten zu setzen und auch bei mangelhafter Besetzung durch die Zimmer und Flure zu spurten, um wenigstens dafür Sorge zu tragen, dass der Kunde/Patient sicher, satt und sauber ist. Dann wird er sich hoffentlich auch nicht darüber beschweren, wenn er sich in seinen Bedürfnissen nicht genügend beachtet fühlt. Und sollte er dennoch auf die, in meinen Augen vollkommen abwegige Idee kommen sich zu beschweren, so bin ich mir sicher, dass er vernünftig werden wird, wenn ich ihn daran erinnere, dass es woanders noch viel schlimmer ist. In Afghanistan zum Beispiel.

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